"Man gebrauche gewöhnliche Worte und sage ungewöhnliche Dinge."
(Arthur Schopenhauer)

Als Autor veröffentlicht Thomas Wolter gegenwärtig vornehmlich Glossen und Satiren, zumeist unter Pseudonym. Darüber hinaus verfasst er auch Kurzprosa und Erzählungen..

  

Veröffentlichungen

 

Geschichten wie sie so das Leben schreibt oder ich. Saarbrücken 1990

Zugespitzt – Glossen & Satiren. Saarbrücken 2017

Hörspiel: Der Unglücksberg (zusammen mit Wolfgang Stauch). SR 1999

 

Literarische Beiträge in Anthologien:

 

Passagen. Neue Texte. Hrsg. von Sabine Göttel. Saarbrücken 1993

Mords Römer: Krimi-Anthologie. Erbach/Odenwald 2012

Mords Elfenbein: Krimi-Anthologie. Erbach/Odenwald 2014

Gans die Sieger: Kurzgeschichten. Düsseldorf 2016

Mords Energie: Krimianthologie. Erbach/Odenwald 2016

 

Zahlreiche journalistische Beiträge in der Saarbrücker Zeitung und im OPUS Kulturmagazin.

 

Auszeichnungen/Wettbewerbe

  • 2012: 2. Preis beim Odenwaldkreis-Kurzkrimiwettbewerb (Hessen).
  • 2014 gelangte er beim gleichen Wettbewerb unter die 30 Bestplatzierten.
  • 2015: 2. Platz beim Kurzgeschichten-Wettbewerb "Putlitzer Preis" (Brandenburg). 
  • 2016: 3. Preis beim Odenwaldkreis-Kurzkrimiwettbewerb. 
  • 2020: Shortlist des Putlitzer Preises 

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Glossen (Auswahl)

Meine Sammlung "Zugespitzt" mit zahlreichen Glossen und Satiren (bis Anfang 2013) kann man hier beziehen.

Adams Apple

 

Der Garten Eden lag, wie wir jetzt ja mit einiger Sicherheit wissen, auf dem Gebiet des heutigen Irlands. Eines Tages sprach der Herr zu Adam und Eva: “Ihr könnt euch alle Sachen in diesem tollen Einkaufsparadies zulegen. Holt euch meinetwegen Zeugs von Samsung, Sony oder Nokia. Aber lasst bloß die Finger von Apple-Produkten, die mag ich nicht! Auch wenn deren clevere Marketing-Strategen mit Slogans wie ‘Baum der Erkenntnis’ und ähnlichem Unfug werben.” Lange Zeit hielten sich Adam und Eva an das Gebot des Herrn. Tagsüber schlenderten sie Hand in Hand  durch den wundervollen Garten Eden, machten dabei einen großen Bogen um den Apple-Store und abends guckten sie zusammen “Bauer sucht Frau”. Eines Tages aber klopfte Tim Cook, der Chef von Apple höchstpersönlich, an ihre Haustür und pries das neue iPhone 7 in den herrlichsten Tönen. Adam und Eva konnten dieser listigen Schlange nicht lange widerstehen, nahmen schließlich das Teufelszeug in die Hand und schossen ein Selfie. Da bekam der Herr einen mächtigen Hals und schmiss Adam und Eva aus dem Garten Eden. Apple aber blieb ungeschoren und durfte bleiben in seinem feinen Steuerparadies. Dagegen konnte selbst der Herr nichts ausrichten.

 

 

Pilzsaison 

 

Es ist wieder mal schönste Herbsteszeit und allerlei seltsame Pilze schießen ins Kraut. Aber Vorsicht, von einigen sollte man besser die Finger lassen! So zum Beispiel vorm Gemeinen Pegida-Reizker, der vor allem im braunen Sumpf östlicher Landesteile trefflich gedeiht. Der Genuss dieses Pilzes führt nicht selten zu geistiger Verwirrung und rechtsdrehenden Schwindelanfällen. Wegen seiner hohen Schadstoffbelastung raten Experten auch ab vom Verzehr des Dunstblauen Winterkörnlings, der vor allem in der Umgebung von Wolfsburg anzutreffen ist. Außen hui, innen pfui, hält dieses trügerische Gewächs bei weitem nicht das, was es verspricht. Der Schleimige Blatterich hat sich von der Schweiz aus über die ganze Welt ausgebreitet. Ein ganz übles und überaus zähes Unkraut, dass lange durch nichts und niemanden auszurotten schien. Entgegen der landläufigen Meinung gehört diese Spezies eindeutig zur Gattung der Giftpilze und ist also mitnichten ein Fußpilz. 

 

 

Camping mit Igel 

 

Nach Jahrzehnten Pauschal-Tourismus hat mich auf meine alten Tage die Camping-Nostalgie befallen. Natürlich wollte ich mir und meiner nicht minder anspruchsvollen Gefährtin nur das Allerbeste bieten. Mindestens vier Sterne sollte der Campingplatz schon haben, dazu Stromanschluss und saubere sanitäre Anlagen. Und ruhig sollte es sein. Das alles versprach ein Platz am Bodensee. Okay, der Sanitärbereich war hygienisch einwandfrei, allerdings lag  er gut 300 Meter vom Zelt weg. Auch einen Stromanschluss gab es - in 25 Meter Entfernung.  “Wie, du hast kein Verlängerungskabel dabei?”, wunderte sich ein kundiger Camp-Nachbar und half mir großzügig aus. Mit der Ruhe war es vorüber, als fünf Teenies neben uns ihr Lager aufschlugen. Ich erfuhr so manches über aktuelle Popstars und das frühweibliche Periodensystem. Ein Igel stattete uns nachts einen Besuch ab und ein Mann, der mit seinem Wohnwagen mein Auto geschrammt hatte. Camping ist herrlich, man kann dabei völlig runterkommen und lernt hilfsbereite Menschen kennen, welche Probleme lösen, die man ohne Camping nicht hätte. Aber nächstes Mal geht’s wieder ins Hotel. Sonst steht die Beziehung auf dem Spiel.

 

  

Von Steaks und Zauberschwertern

 

Mein Sohn verbringt im Moment gefühlte 16 Stunden vor dem Computer. Das macht mir Sorgen. Mein Sohn ist wohl kein Einzelfall, wie mir andere Eltern berichten. Oft sitzen mein Sohn und seine Kumpels stundenlang gemeinsam vor dem Bildschirm. Dann höre ich fiepende oder dumpfe Geräusche und die Jugendliche schreien lauter wirres Zeug. “Wir machen ein Rollenspiel.”, erklärt mir mein Sohn. “Ich bin ein Ritter mit einem magischen Schwert, mit dem er seine Gegner in ferne Galaxien teleportieren kann.” - “Warum gehst du nicht mal mit einem Mädchen aus?”, frage ich meinen Sohn und er schaut mich so entgeistert an, als hätte ich ihm gerade sein Zauberschwert geklaut.

 

Woody Allen hat einmal gesagt: “Die Realität ist der einzige Ort, wo man ein vernünftiges Steak serviert bekommt.”. Das ist ein ziemlich kluger Satz, der selbst eingefleischten Veganern einleuchten sollte. Ich mache mir Sorgen, dass mit der Generation meines Sohnes die Realität allmählich aus der Welt verschwindet, weil sich diese Generation überhaupt nicht mehr dafür interessiert. Ich persönlich fühle mich aber, nicht nur wegen der Steaks, ganz wohl in der Realität und ich hoffe sehr, dass sie von der Unesco bald zum Weltkulturerbe erklärt wird.

 

 

Paula in der Pole Position

 

Die Pole Position besetzt eine Dame mittleren Alters mit dunkelblauem Parka und Jogginghosen. Sie könnte Gerda heißen oder Paula. Ich bin früh dran und erwische noch einen guten Platz im vorderen Segment. Es ist viertel vor acht. Noch 15 Minuten bis zum Start. Hinter mir scharen sich halbkreisförmig die Wagen der anderen Mitbewerber. Später wird meine glückliche Tochter sagen, ich sei mutig in den Kampf gezogen und habe mich für sie geschlagen wie ein Held.

 

Es ist ein eisig kalter Morgen. Die Fahrer der anderen Wagen, Männer wie Frauen, blicken grimmig und scharren mit den Füßen. Jeder beäugt den anderen, die Anspannung wächst, Muskeln ziehen sich zusammen, aus heißen Mündern steigen Dampfsäulen auf und erstarren zu Reif. Punkt acht erscheint endlich ein Mann in der Tür und gibt das Signal. Dutzende Wagen setzen sich simultan mit quietschenden Reifen in Bewegung. Ich komme gut vom Fleck, schlage mit Tücke und Körperkraft noch ein paar von den vorderen Plätzen aus dem Feld und erreiche unterkühlt und erschöpft, doch mit stolz geschwellter Vaterbrust das Ziel: den neuen Aldi-PC.

 

Die Saarländer und das Es

 

Viele Zugezogene mokieren sich über das landesübliche sächliche Pronomen für saarländische Frauen: “Es” oder, je nach regionaler Aussprache, auch “Äs” oder “Ät”.

 

Für dieses spezifisch saarländische Sprach-Phänomen bietet sich eine ganz einfache und charmante Erklärung an: Saarländerinnen werden selbst im hohen Alter noch als anmutige Mädchen wahrgenommen und von der hiesigen Männerwelt zärtlich verehrt - DAS Mädchen, also muß es ES heißen. Es gibt jedoch noch eine andere Deutung.

 

Jedes Kind kennt Sigmund Freuds klassische Dreiteilung der menschlichen Psyche in “Es”, “Ich” und “Über-Ich”. Während das Freudsche “Es” lediglich den Bereich des Unterbewußten bezeichnet, steht, wie einige vermuten, das saarländische  “Äs” oder “Ät” für alle Bereiche der Saarländer-Männerseele. Getreu dem Motto: “Es” weiß immer am besten, was “Er” will. Das “Äs” oder “Ät” nun als ein besitzergreifendes Fürwort zu betrachten, wäre indessen weit verfehlt.