Wenn die Teeblase platzt

Der aktuelle Hype um den Bubble Tea

von Nathalie Krioj

 

Trinkst du noch oder kaust du schon? Längst sind Getränke, bei denen auch die Kaumuskeln gefordert werden keine Seltenheit mehr. Zuerst schlürfte man pürierte Früchte aus kleinen Plastikflaschen und nannte es Smoothie, dann kamen neue Varianten von Kaffegetränken mit Stückchen von Keksen, Schokolade oder Marshmallows. Mittlerweile gibt es auch gefrorener Jogurt mit klein geschnittenen Früchten, der mit einem Strohhalm aufgesogen wird. Aber der neuste Trend heißt Bubble Tea. Eine Verwirrung stiftende Übersetzung wäre Blasen-Tee, eine interessant klingende Perlentee. und ist diesen Sommer nicht wegzudenken.

Doch was ist dran am neuen In-Getränk, das vor allem die junge Generation bis Mitte 20 anzieht und in diesem Sommer nicht mehr wegzudenken ist.

 

Bubble Tea tritt seit etwa Mitte letzten Jahres seinen Triumphzug in Deutschland an. Im asiatischen Raum, in dem dieses Getränk kreiert wurde, sind Tee-Shops an jeder Straßenecke schon seit Jahren ein gewohntes Bild. Bubble Tea unterscheidet sich vom gewöhnlichen 4-Uhr-Tee davon, dass der Kunde nach dem „Mix-it-yourself-Prinzip“ bis ins kleinste Detail seinen Geschmack entscheiden lassen kann.

 

Das macht den Tee beliebt und jeder wittert sein Geschäft. In fast jeder Innenstadt und jedem Einkaufszentrum schießt ein „Fresh Tea“, „Bobox“, „Häkko“ und „xyz-Bubble“ aus dem Boden. Meist sind die Shops auffällig bunt, wie aus einem Comic entsprungen. Auch McDonalds springt auf den Zug auf und bietet in seinen McCafé Filialen ab Mitte Juni Bubble-Tea an. Doch egal ob von Privatpersonen betrieben oder einen großen Kette angehörend, das Prinzip ist gleich.

 

Dabei grenzt es an ein Wunder eine Bestellung ohne Gegenfrage aufzugeben, wo es so viele Details auszuwählen gibt: Größe? Teegrundsorte? Heiß oder kalt? Süßegrad? Extra Sirup?

Alle Getränke werden in einem Plastikbecher gemixt und mit einer Maschine „frisch“ versiegelt. Ob man mit dem Strohhalm, der den Durchmesser eines 5-Cent-Stücks hat gleich trinkt oder den Tee to-go nimmt bleibt dem Kunden überlassen.

 

Fehlt noch die Frage aller Fragen: Welche Bubbles dürfen es denn sein?

Die Bubbles sind das Topping, das Krönchen dieser Teekreation. Die Ursprungsvariante des Tees enthält Tapioka-Perlen. Eine für den europäischen Gaumen eher ungewohnte glibberige und kaugummiartige Angelegenheit aus Speisestärke. Beliebter sind da die Fruchtbubbles, die wie übergroße Johannisbeeren oder Kaviar aussehen. Beim leichten darauf Beißen platzt die Hülle und der flüssige Inhalt aus Zucker und Aroma schießt in den Mund. „Ein sinnliches Erlebnis“ sagen die einen, „ungesunde Spielerei mit dem Essen“ die anderen.

 

Die Kombinationsmöglichkeiten sind groß. Der Geschmack ist König. Königlichen Anklang findet das Getränk vor allem bei der jungen Generation. Doch mit gesundem, frisch aufgebrühtem Tee haben diese Zuckerbomben nichts mehr zu tun. Zahnärzte schreien auf und Kinderärzte warnen vor dem Erstickungstod durch Bubbles. Doch daran stört sich keiner. Nach Schlussschluss wird fröhlich zum Teashop gepilgert und das Taschengeld für einen halben Liter Bubble Tea geopfert, der zwischen 4 und 5 Euro kostet. Kinder, die zu Hause Obst und Gemüse verschmähen, bestellen hier munter neue Kreationen wie den Taro-Tee, dessen Grundlage aus Süßkartoffeln gewonnen wird oder Winter-Melone-Sirup, hinter dessen irreführendem Namen eine Kürbissorte steckt.

 

Wohin uns der Trend führt und wie lange er anhalten wird, kann zur Zeit niemand abschätzen. Da hilft nur Mut haben und selbst saugen, beißen und schlucken was der Strohhalm hergibt.

 

Der Selbsttest zeigt: Die Unterschiede sind groß. Von ungenießbar bis leicht erfrischend ist viel dabei. Shops bei denen sich auf der Theke zig Sirupflaschen reihen und die Becher mit Folien verschlossen werden, auf denen chinesische Schriftzeichen und Affen abgebildet sind, fielen bei mir durch. In Shops bei denen ersichtlich ist, dass wirklich eine mit Teeblättern aufgebrühte Flüssigkeit genommen wird und bei denen man den Süßegrad wählen kann, können im Sommer durchaus Abwechslung bieten.

 

Wie bei der Lieblingssommererfrischung in deutlich größerer Bällchenform lohnt sich auch hier eine ausgiebige Suche nach der Lieblingsfiliale.