Marktverkäufer aus Leidenschaft

von Sarah Konrad

 

Jeden Samstag steht Ottmar Neuhäuser hinter seinem Obst- und Gemüsestand auf dem Sankt-Johanner Markt. Über 100 Händler aus dem Saarland bieten auf dem Wochenmarkt ihre selbsterzeugten Produkte an.

 

„Frisch gepflückte Äpfel! Zehn Stück für nur fünf Euro! Treten Sie ruhig näher und probieren Sie, meine Damen und Herren!“. Ottmar Neuhäuser weiß, wie er Kunden anlocken kann, denn er arbeitet schon seit 30 Jahren auf dem Saarbrücker Wochenmarkt.

„Die Leute probieren immer gern, bevor sie etwas kaufen und sie wollen wissen wo die Produkte herkommen.“, verrät der Obst- und Gemüsehändler.

Ottmar ist schon 71 Jahre alt, doch in Rente zu gehen, kommt für den leidenschaftlichen Händler nicht in Frage. Jeden Samstag baut er bereits frühmorgens seinen Stand auf. Immer mit dabei seine Frau Hilde Neuhäuser. Die beiden sind ein eingespieltes Team; während Ottmar den alten, grün gelb gefärbten Sonnenschirm aufbaut, schreibt Hilde die Sonderangebote des Tages mit weißer Kreide auf eine Tafel. „Das hat bei uns Tradition. Wir brauchen keine neumodischen Plakate, die mit dem Computer gedruckt werden.“, so die Verkäuferin.

 

Über 3300 Wochenmärkte gibt es in Deutschland, auf denen über 50000 Markthändler ihre Produkte anbieten. Im Saarland finden insgesamt 59 Wochenmärkte regelmäßig statt. Wobei der Saarbrücker Wochenmarkt in Sankt-Johann zu den größten zählt.

 

Nachdem der Stand fertig aufgebaut ist, nimmt sich Ottmar die Zeit um einmal über den Wochenmarkt zu schlendern. Dabei trägt er wie immer seine grüne Schürze und einen Strohhut. „Mann muss stets über das Angebot der Konkurrenz informiert sein.“, sagt er und lacht. Aber während dem Gang über den Marktplatz fällt auf, dass es Ottmar weniger darum geht die Konkurrenz auszuspionieren. An fast jedem zweiten Stand legt er eine kurze Pause ein um ein „Schwätzchen“ zu halten. Ottmar erkundigt sich nach der Gesundheit von Marie, der Tochter eines anderen Händlers. Redet mit Fischverkäufer Hans über das spannende Fußballspiel von Freitag und trinkt ein frisches Glas Milch an Bauer Friedrichs Molkereistand. Ottmar, der immer ein Lächeln im Gesicht hat grüßt und wird begrüßt; auf dem Wochenmarkt scheint man sich zu kennen.

 

Am meisten verkauft werden Fleisch und Wurst, dicht gefolgt von Brot und Backwaren. Danach kommen Obst und Gemüse, aber auch Käse und Molkereiprodukte.


Zurück am eigenen Stand überprüft Ottmar noch einmal, ob auch wirklich alles seine Ordnung hat. „Gleich kommen die ersten Kunden, darauf freue ich mich besonders!“, sagt er. „Wir haben hier Stammkunden, die kaufen schon seit über 10 Jahren bei uns ein. Manche sind zu Freunden geworden, mit denen redet man über Gott und die Welt.“, fügt Hilde hinzu. Das Ehepaar baut alle Produkte selbst an; sieben verschiedene Obst und über fünfzehn verschiedene Gemüsesorten. Früher verkauften sie außerdem noch Eier, aber mittlerweile ist ihnen die Hühnerhaltung zu viel Arbeit geworden.

 

„Mama, warum gibt es rote und grüne Äpfel? Schmecken die anders?“, will ein kleiner Junge wissen, dessen Mutter bei Ottmar ihre Einkäufe macht. Der Verkäufer schneidet sofort einen roten und einen grünen Apfel auf und bietet dem Kind jeweils ein Stück an. „Du wirst wohl keinen großen Unterschied schmecken, oder? Aber weißt du, die roten Äpfel haben noch länger in der Sonne gereift und daher noch mehr Vitamine als die grünen.“, erklärt Ottmar.

 

Eine Umfrage der Wirtschaft GmbH ergab, dass der besondere Flair, die freundliche und kompetente Beratung und die Vielfalt an regionalen Produkten, die Hauptgründe für den Einkauf auf dem Wochenmarkt sind.


Der Marktplatz hat sich inzwischen geleert, es ist 18 Uhr und auch Ottmar und Hilde haben ihren Stand zusammengebaut. „Heute war ein guter Tag“, fasst der Händler zusammen: „Wir haben viel verkauft und hatten wie immer jede Menge Spaß.“ Er gibt seiner Frau einen Kuss auf die Wange und gemeinsam machen sie sich auf den Weg nach Hause. In genau einer Woche werden sie wieder hier stehen, um ihre frisch gepflückten Äpfel und das mühsam angebaute Gemüse zu verkaufen.